Süditalien übte eine besondere Anziehung aufdie Normannen aus. Sie kamen Anfang des 11. Jahrhunderts als Pilger und Söldner und erkannten schnell das Potential der Region. Politische Fragmentierung und zahlreiche Konflikte ermöglichten ein Auskommen und eigene Herrschaftsbildungen. Die ersten Erfolge übten eine Sogwirkung aus, und spätestens mit der Ankunft der Hauteville-Familie begann sich das Machtgefüge zu verschieben. Die Normannen begannen sich gegenüber den anderen Mächten durchzusetzen. Sie vertrieben die Byzantiner aus Süditalien und schufen eigene Herrschaften. Robert Guiscard (gest. 1085) erreichte 1059 schließlich die Anerkennung seiner Position durch den Papst. Wenig später begann die Eroberung Siziliens, die 1091 abgeschlossen wurde. Die Konsolidierung der normannischen Herrschaft gipfelte 1130 in der Erhebung der Grafschaft Sizilien in den Rang eines Königreichs. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Herrschaft bereits in ein blühendes und von kultureller Vielfalt geprägtes Reich entwickelt. Die zahlenmäßig gegenüber der einheimischen Bevölkerung deutlich unterlegenen Normannen gingen dabei äußerst geschickt vor. Sie nahmen vorhandene Strukturen und Traditionen auf und kombinierten sie mit eigenen Elementen. Dadurch schufen sie ein einzigartiges Königreich, dessen Funktion als kultureller Schmelztiegel durch seine strategisch günstige Lage im Mittelmeer noch verstärkt wurde. Mit der Thronbesteigung Friedrichs II. (gest. 1250) endete die normannische Herrschaft zwar dynastisch, doch war der junge Staufer geprägt vom normannischen Erbe, das in der Region noch lange fortlebte.
Aversa, Kathedrale, 2. H. 11. Jh.
Marmor
Aversa, Cattedrale von San Paolo –
Museo Diocesano
Aversa war die erste Anlaufstelle, der vermehrt nach Süditalien einwandernden Normannen. Es überrascht daher nicht, dass sich in der neuerbauten Kathedrale ein Kunstwerk findet, das stilistisch ein absolutes Novum in der Kunst Süditaliens darstellt. Auf der Platte erkennt man einen Ritter im Profil, mit nacktem Oberkörper und kurzen Hosen, der eine riesige Bestie mit einem Schwert durchbohrt. Die Platte besticht durch ihren ungewöhnlichen Stil und die verschiedenen Tiefenebenen. Die Darstellung greift Themen der skandinavischen oder angelsächsischen Saga-Tradition auf (Sigurd, Beowulf).