„Und als dieser große Sieg durch den Mut diese vierzig normannischen Pilger errungen war, dankte ihnen der Fürst, bot ihnen Geschenke und hohe Belohnung an und bat sie zu bleiben. [Als sie nicht bleiben wollten, lud er sie ein], andere zu ermutigten wegen des Reichtums dieser Gegend aus der Normandie zu kommen und schickte Nachrichten mit den siegreichen Normannen, Zitronen, Mandeln, Konfekt, Nüsse, byzantinische Stoffe und vergoldete Eisenwaren. Und er bat sie in das Land zu kommen, wo Milch und Honig fließe und es all diese feinen Dinge gäbe.“
Die italienische Halbinsel und Sizilien glichen um 1000 einem Flickenteppich unterschiedlicher Herrschaften. Langobardische Fürsten, Byzantiner, muslimische Herrschaftsträger, der Papst und der römisch-deutsche Kaiser rangen um Macht und Einfluss. Auf diese Gemengelage trafen normannische Pilger und Söldner. Angezogen von Pilgerstätten wie dem Monte Sant’Angelo und der Stadt Jerusalem, die über die Häfen Süditaliens erreichbar war, gelangten Normannen in das Land. Bei ihrer Rückkehr in die Normandie brachten sie die Kunde vom Bedarf an Söldnern und den sich bietenden Möglichkeiten mit. Zahlreiche Normannen folgten dem Ruf.
Süditalien, 11./.12. Jh.
Eisen
Brescia, Fondazione Brescia Musei, Museo delle
Armi „Luigi Marzoli“, Inv. MR 14800
Nasalhelme dieser Art, die auch „Normannenhelme“ genannt werden, sind heute sehr selten. Dieser Helm wurde in Salerno erworben und stammte vermutlich aus einer Kirche in der Gegend. Damit ist er der einzige bekannte normannische Helm aus Süditalien. Der Helm besitzt Löcher an den unteren Rändern der Helmglocke, die zur Befestigung einer inneren Auskleidung dienten.
11./12. Jh.
Eisen
Stuttgart, Landesmuseum Württemberg,
Inv. AM 4354
Schwerter dieser Art, mit einer geraden Parierstange und einem kleinen Halbkreisknauf, wurden im Mittelalter von Kriegern verwendet. Sie hatten für ihren Besitzer einen hohen Wert und begleiteten ihn überall hin. Eine Ummantelung des Griffes, die sogenannte „Hilze“, ist nicht mehr erhalten. Wahrscheinlich bestand sie aus Holz und war mit Textil oder Leder umwickelt.
Rouen, Mitte 11.– Anfang 12. Jh.
Fundort: Burg von Salerno
Silber
Salerno, Museo Medievale del Castello di Arechi,
Inv. 21.S83–7.6
Diese in der Normandie geprägten Münzen wurden in einem Gefäß in der Burg von Salerno gefunden. Sie belegen die engen Verbindungen zwischen den beiden normannischen Territorien sowie eine andauernde Migration nach Süden. Es ist anzunehmen, dass die Münzen im Gepäck von Söldnern nach Italien kamen und im Kontext einer der vielen militärischen Unternehmungen ihren Weg auf die Burg fanden.
Süditalien, 12. Jh.
Stein
Monte Sant’Angelo, Santuario di San Michele
Arcangelo, Musei Tecum – Museo Lapidario,
Inv. 176
Die in einer Grotte des Pilgerorts gefundene Platte zeigt die Figur eines mit einer langen, von einer Standarte bekrönten Lanze bewaffneten Ritters. Er scheint in Bewegung zu sein, was die Haltung des Pferdes, das rechteckige Banner und das ausgestreckte Bein des Reiters im Steigbügel deutlich machen. Man erkennt einen großen tropfenförmigen Schild und möglicherweise einen Gambeson (Rüstwams).
Acceptus
Siponto, Kirche Santa Maria, 11. Jh.
Marmor
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung
und Museum für Byzantinische Kunst,
Inv. 6670
Zusammen mit anderen Fragmenten wurde dieser Balken in der Sakristei der Kirche von S. Maria di Siponto entdeckt. Er gehörte zur liturgischen Ausstattung und war sehr wahrscheinlich Teil eines Bischofsthrons. Schöpfer der Werke war der berühmte Bildhauer Acceptus, der zur Zeit der Ankunft der ersten Normannen in Apulien tätig war. In seinen Arbeiten, zu denen die Kanzeln von Monte Sant’Angelo und Canosa gehören, zeigt sich die Meisterschaft der süditalienischen Skulptur.
Inschrift: Robert und Balduin haben dieses Werk
dem Hl. Michael aus Liebe zu Gott fertigen lassen
Cava delle Pietre, 11. Jh.
Vergoldetes Kupfer
Monte Sant’Angelo, Santuario di San Michele
Arcangelo, Musei Tecum – Museo Devozionale,
ohne Inv.
Bereits um 1000 kamen die Normannen nach Italien, um den Monte Sant’Angelo zu besuchen. Diese Kultstätte war eng mit dem Mont-Saint-Michel in der
Normandie verbunden. Viele Pilger hinterließen Geschenke, sog. Votivgaben, im Heiligtum des Erzengels. Die Ikone mit einer Darstellung des Erzengels Michael wurde als Votivgabe von einem „Robert“ und „Balduin“ gestiftet. Die Namen lassen eine Herkunft aus der Normandie vermuten.
Der Stil der Ikone verweist auf eine lokale Produktion.
Monte Sant’Angelo, 11.–12. Jh.
Stein
Monte Sant’Angelo, Santuario di San Michele
Arcangelo, Musei Tecum – Museo Lapidario,
Inv. n. 148, n. 152
Diese Ritzzeichnungen in Form von Fußspuren wurden von Pilgern hinterlassen. Die Pilgerschaft erfolgte auch über weite Strecken meist zu Fuß. Viele Pilger kamen zum Monte Sant’Angelo, um den „Fußabdruck“ des Erzengels im Zentrum des Wallfahrtsortes zu sehen. Als Zeichen ihrer Verehrung und als Erinnerung an ihren Besuch hinterließen sie nicht nur Geschenke, sondern auch Graffiti.