„Er war ein junger Mann von größter Schönheit, hoher Statur, anmutiger Gestalt, äußerst redegewandt und gelassen in der Beratung. Er war weitsichtig in all seinen Handlungen, freundlich und fröhlich mit all seinen Männern, stark und mutig, und wild in der Schlacht.“
Neben militärischen Mitteln und Gewalt setzten die Normannen auch in Süditalien und Sizilien auf unterschiedliche Strategien der Herrschaftssicherung. Dazu gehörten neben Eheverbindungen und Bündnissen auch die Förderung von Klöstern. Daneben bedienten sich die Normannen einer Politik der pragmatischen Toleranz und behielten vorhandene Strukturen bei. Sie übernahmen Traditionen, und passten sich an kulturelle Eigenheiten an. Dadurch gelang es einer insgesamt relativ geringen Zahl an Eroberern, die Herrschaft zu konsolidieren. Roger I. (gest. 1101) erwies sich nach der Eroberung Siziliens als weitsichtiger und geschickter Herrscher.
Palermo, San Pietro la Bagnara, 1080/1
Marmor
Palermo, Galleria regionale della Sicilia di Palazzo
Abatellis, Inv. EL SG 34
„Die ehrwürdigste Kirche der heiligen und hochverehrten Apostel Petrus und Paulus wurde zur Zeit des glorreichen Herzogs Robert und seiner Braut Sichelgaita (δουκὸς Ῥουμβέρτου καὶ Σικελγαίτας) […] vollendet.“
Diese Inschrift wurde von einem griechischen Amtsträger für eine Kirche in Palermo gestiftet. Auch nach der normannischen Eroberung waren Kirchen griechischen Ritus in Sizilien verbreitet und Griechisch lange die wichtigste Verwaltungssprache. Die Inschrift erwähnt Robert Guiscard als Oberherrn von Palermo und seine Frau Sichelgaita, lange nachdem sie die Insel für immer verlassen hatten.
Mileto, 1085/1098–1101
Avers: ROQERIVS COMES
Revers: MARIA MATER D(omi)NI
Bronze
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin,
Münzkabinett, Nr. 18205981 (1);
Stuttgart, Landesmuseum Württemberg,
Inv. MK 1949-253 (2)
Diese Münzen sind eine der wenigen materiellen Zeugnisse, die in direkter Verbindung mit Roger I. stehen. Der Reiter auf der Vorderseite ist durch seinen spitz zulaufenden Schild und die typische Form seines Helmes als normannischer Krieger zu erkennen. Es handelt sich um eine Darstellung des Grafen, der diese Münzen in Mileto prägen ließ. Mit einer Standarte über der Schulter wird Roger als Ritter dargestellt, der in die Schlacht zieht.
Empfängerausfertigung,
vor dem 29. Dezember 1080
Pergament
Rom, Archivio del Pontificio Collegio Greco
di Sant’Atanasio, perg. A VI
In dieser Urkunde gibt Roger I. die Gründung der Abtei S. Michele Arcangelo in Mileto (später SS. Trinità) bekannt. Sie befand sich in der Nähe zum gräflichen Hof in Mileto. Zugleich ernennt er den Normannen Robert von Grandmesnil zum Abt der Neugründung und verleiht ihr Immunität. Darüber hinaus bestimmt er die Abtei zur Familiengrablege und stattet sie mit zahlreichen Ländereien in Kalabrien und Sizilien aus.
Mileto, Abtei SS. Trinità, 11. Jh.
Glas, Verzierung in Grisaille-Technik
Mileto, Museo Statale di Mileto, Inv. 167
Das Fragment, das zu einer Figur gehörte, die vermutlich etwas größer als ein Meter war, schmückte ursprünglich die Apsis der Abteikirche der SS. Trinità. Es lässt Teile eines männlichen Gesichts erkennen: ein Auge mit Augenbrauenbogen sowie einem Teil der Nase und einer gerunzelten Stirn. Aufgrund fehlender Vergleiche in Kalabrien wird vermutet, dass die Hersteller solcher Glasfragmente im Gefolge des Bauherrn, Robert von Grandmesnil aus dem französischen Raum nach Mileto kamen.
Mileto, Kathedrale, 12. Jh.
Keramik mit polychromem Dekor, Engobe-Glasur
Mileto, Museo Statale di Mileto, Inv. 102
Dieses Keramikfragment wurde in der Nähe der Apsis der Kathedrale von Mileto gefunden. Darauf erkennt man an den Beinen, dem braunen Körper und Zaumzeug einen nach rechts gewandten Ritter. Von ihm sind der in einen Steigbügel eingesetzte Fuß und der zugehörige Riemen erkennbar. Die Arme und der Oberkörper sind verloren gegangen.
Palermo, 11. Jh.
Marmor
Palermo, Galleria regionale della Sicilia di Palazzo
Abatellis, Inv. 5101
Als „kufisch“ bezeichnet man eine der ältesten kalligraphischen Formen der arabischen Schrift. Bei der oberen Inschrift handelt es sich um die Basmala, mit der auch der Koran beginnt: „im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen“. Die Inschrift im Zentrum lautet „es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“. Auch unter normannischer Herrschaft war Sizilien zunächst weiterhin stark muslimisch geprägt. Die Arbeit muslimischer Künstler sorgte für eine Fortführung des nüchternen, fast dekorationslosen, fatimidischen Stils.