Adelasia del Vasto – Palermo wird Hauptstadt

„Als eine äußerst kluge Frau führte [sie] die Regierungsgeschäfte und regierte die Grafschaft.”

Alexander von Telese (gest. vor 1143), Abt und Chronist über Adelasia

Bei Rogers Tod waren seine Söhne noch minderjährig und Adelasia del Vasto (gest. 1118) übernahm die Regentschaft. Geschickt wusste sie auf örtliche Traditionen Rücksicht zu nehmen und den Kreis der Berater nicht mit auswärtigem Personal zu besetzen. Ein griechisch-arabisches Dokument bezeichnet sie als „große Herrscherin, malikah von Sizilien und Kalabrien sowie Beschützerin des christlichen Glaubens“. Sie verlegte ihre Residenz nach Palermo und schuf dort einen multikulturellen Hof. Der Emir Christodulos zählte zu ihren wichtigsten Beratern. Ihr Sohn Roger II. (gest. 1154) wuchs in einem multikulturellen, vielsprachigen Umfeld auf und profitierte von der kulturellen Vielfalt seiner Umgebung.

F 5.1

Griechisch–arabische Papierurkunde der Gräfin Adelasia del Vasto

Messina, 6. März 1109
Papier
Palermo, Archivio di Stato, Tabulario
Ospedale Grande, Monastero di S. Filippo di Fragalà
e S. Maria di Maniaci, doc. 9, cart.

Adelasias Mandat ist die älteste erhaltene weltliche Urkunde auf Papier in Europa. Die Regentin wendet sich darin an die griechischen und arabischen Beamten von Castrogiovanni (heute Enna) und ordnet an, die Mönche des Klosters von S. Filippo di Fragalà gut zu behandeln und zu unterstützen. Im arabischen Teil wird Adelasia als „große Herrin, Herrscherin von Sizilien und Kalabrien und Verteidigerin des Glaubens der Christen“ gefeiert.

F 5.2

"Kodikillos": Griechisches Purpurdiplom für den Admiral Christodulos

Konstantinopel, April 1109
Goldene, silberne und rote Tinte auf Purpurpergament
Provenienz: Palermo, Tesoro della Cappella
Palatina, Inv. 340
Rom, Patrimonio del Fondo Edifi ci di Culto,
amministrato dal Ministero dell’Interno –
Dipartimento per le Libertà Civili e l’Immigrazione –
Direzione Centrale degli Affari dei Culti e per
l’Amministrazione del FEC

Zu den engsten Beratern Adelasias zählte der griechische Admiral Christodulos. Dieser war auch in den Augen des byzantinischen Kaisers eine wichtige Persönlichkeit. Er verlieh ihm mit diesem Dokument den Ehrentitel eines prōtonōbelíssimos. Dieses sog. Kodikillos zeigt beispielhaft den Einfluss der byzantinischen Praxis auf die normannische Kanzlei und war eines der Vorbilder für die Ausstellung des Stiftungsprivilegs der Cappella Palatina.