Ein wenig bekannter normannischer Aktionsraum war die Iberische Halbinsel. Sie lässt sich im Mittelalter als kultureller Schmelztiegel bezeichnen. Seit dem Zerfall des Kalifats von Cordoba (1031) war sie aber auch von militärischen Konflikten und machtpolitischen Veränderungen geprägt. Auswärtige Kämpfer waren in dieser Situation hochwillkommen und seit Beginn des 11. Jahrhunderts zogen immer wieder Normannen auf die Iberische Halbinsel. Sie beteiligten sich an Kämpfen und an den unter dem Begriff „Reconquista“ bekannt gewordenen Auseinandersetzungen zwischen den christlichen und muslimischen Reichen. Dabei lernten die Normannen den kulturellen Reichtum der Region kennen. Einige ließen sich auch dauerhaft als Siedler nieder. Eine normannische Herrschaftsbildung gelang nur in einem Fall, in Tarragona. Hier etablierte Robert Burdet (gest. ca. 1159) einen Prinzipat, der allerdings nur für zwanzig Jahre Bestand hatte. Dann ging Tarragona in die Herrschaft des Grafen von Barcelona über. Tarragona ist ein schillerndes Beispiel für das Scheitern normannischer Ambitionen. Anders als in anderen Regionen waren die lokalen Mächte im Norden der Iberischen Halbinsel zu stark; es gab kein Machtvakuum, das die Normannen füllen konnten. Normannisch-iberische Verbindungen blieben aber bestehen – gerade zwischen den normannischen Herrschaftsgebieten in Süditalien und der Grafschaft Barcelona sowie der Krone von Aragon.
St. Martin von Ix, Katalonien, 2. Viertel 12. Jh.
Temperamalerei und Metallblech auf Kiefernholz
Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya,
Inv. MNAC 15802-000
Die Tafel schmückte einst die Altarfront der Kirche St. Martin von Ix. Sie ist eine der ältesten erhaltenen europäischen Holzmalereien. Bis auf ein paar Brandspuren auf der linken Seite ist sie in sehr gutem Zustand. Die leuchtenden, warmen Farben, die sorgfältige Ausführung und die reichen geometrischen Verzierungen sind typisch für die christliche Kunst aus dem Norden der Iberischen Halbinsel. Die Tafel zeigt die Wiederkunft Christi und die Geschichte des Hl. Martins inkl. der berühmten Teilung des Mantels (2. und 4. Bild oben).