Die einzige normannische Herrschaftsbildung auf der Iberischen Halbinsel erfolgte durch Robert Burdet (gest. ca. 1159). Dieser entstammte vermutlich dem Niederadel und kam im Gefolge Rotrous de Perche nach Aragon und Katalonien. Dort kämpfte er sehr erfolgreich. In diese Zeit fiel auch die Eroberung der alten Bischofsstadt Tarragona durch den Grafen von Barcelona. Dieser schenkte die Stadt dem Bischof von Barcelona, Oleguer, der vom Papst zum Erzbischof von Tarragona ernannt wurde. Oleguer benötigte Unterstützung bei der Wiederbesiedlung und Verwaltung der Stadt und betraute Robert Burdet mit dieser Aufgabe. Dieser hatte freie Hand, da der kirchliche Stadtherr in Barcelona residierte. Roberts Versuch, eine dauerhafte Herrschaft für sich und seine Söhne zu etablieren, scheiterte jedoch. Oleguers Nachfolger und der Graf von Barcelona vereitelten diese Pläne.
Santa Maria de Besalú, Katalonien,
1137–1167/1171
Travertin
Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya,
Inv. 200688-000
Das katalanische Kloster Santa Maria in Besalú war Teil der katalanischen Grafschaften, wurde aber 1084 einem Chorherrenverband aus Avignon unterstellt. Der Einfluss des Kunsthandwerks aus der Provence und dem Languedoc zeigt sich in dem hier präsentierten Kapitell. Auf allen Seiten ist eine stilisierte Figur mit Tunika, hervorspringendem Kinn und weit geöffneten Augen zu sehen. Sie hält in beiden Händen einen Bischofsoder Abtsstab und wird von Vögeln, möglicherweise Tauben, flankiert.
Barcelona, 14. Jh., Restaurierungen in späterer Zeit
Bestickte Seide, Leinen, Leder
Barcelona, Museu de la Catedral de Barcelona,
ohne Inv.
Die Mitra ist eine der wichtigsten Insignien des Bischofs und Zeichen seiner Macht. Das gezeigte Exemplar stammt aus dem Grab des Hl. Oleguer (gest. 1137), dem mächtigen und einflussreichen Bischof von Barcelona und Erzbischof von Tarragona. Diese Mitra wurde jahrhundertelang als Reliquie verehrt und man schrieb ihr zahlreiche Wunder zu. Die aufwändigen Verzierungen und Stellen, an denen früher Edelsteine eingearbeitet waren, zeugen von ihrer kostbaren Machart. In den bestickten Medaillons der Vorder- und Rückseite sind Apostel, Heilige, die Mutter Gottes und Christus zu sehen. Stilistisch lässt
sich die Mitra ins 14. Jh. datieren. Aktuelle Untersuchungen des Curt-Engelhorn-Zentrums für Ärchäometrie haben diese Datierung für die untersuchten Proben bestätigt.
Nach der jahrhundertelangen Nutzung der Mitra als Reliquie, die viele Gläubige anfassen wollten, war es dringend Zeit für eine Restaurierung. Diese wurde von den Reiss-Engelhorn-Museen mit angeregt. Nur so konnte das kostbare Stück nach Mannheim zur Ausstellung reisen. Die Arbeiten an der Mitra waren ein willkommener Anlass, mithilfe moderner Analyseverfahren kleinste Fasern der Mitra durch das Curt-Engelhorn- Zentrum für Ärchäometrie (CEZA) untersuchen zu lassen. Eine Probe konnte auf die Jahre 1298–1396 und eine andere auf 1504–1650 datiert werden. Letztere stammt aus dem Inneren der Mitra und belegt, dass sie bereits im 16./17. Jahrhundert restauriert und verstärkt wurde, das äußere Material ist hingegen wesentlich älter. Erfahren Sie noch mehr zu den Untersuchungen in unserem Katalog.
Katalonien, Mitte 14. Jh.
Pergament
Barcelona, Arxiu Capitular, Cod. 105,
fol. 81-84v (vita), fol. 84r-87v (miracula)
Mitte des 14. Jh. überließ ein Wohltäter der Kathedrale Barcelonas das Flores Sanctum, eine Sammlung verschiedener lokaler Heiligen- und Wundergeschichten. Darin enthalten ist neben anderen Heiligenbiografien die einzige bekannte mittelalterliche Lebensbeschreibung Bischof
Oleguers von Barcelona (gest. 1137). Magister Renau aus Barcelona verfasste diese zwischen 1115–1137. Wahrscheinlich wollte er Oleguers Heiligsprechung vorantreiben, welche letztlich aber erst 1675 erfolgte.
Barcelona, nach 1117
(Kopie eines Akts vom Januar 1117)
Pergament
Barcelona, Arxiu de la Corona d’Aragó,
Pergs. Ramon Berenguer III, carp. 31, núm 202
Tarragona war weitgehend entvölkert, als Graf Raimund Berengar III. von Barcelona, die Stadt eroberte. In der vorliegenden Urkunde wird die Schenkung der Stadt (1117) an Bischof Oleguer von Barcelona, fixiert. Kurz darauf ernannte der Papst Oleguer zum Erzbischof von Tarragona, was die Unabhängigkeit der katalanischen Kirche vom Erzbistum Narbonne zur Folge hatte. Die Bemühungen, die Stadt wieder zu besiedeln, scheiterten und so belehnte Oleguer 1129 den Normannen Robert Burdet mit Tarragona. Es entstand der einzige normannische Prinzipat auf der Iberischen Halbinsel.
Santa Maria de Tarragona, 2. H. 13. Jh.
Weißer Marmor
Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya,
Inv. MNAC 024027-000
Das Kapitell aus weißem Marmor ziert ein Tau-Kreuz auf heraldischem Schild. Das Motiv findet sich mehrfach in der Kathedrale Tarragonas wieder und verweist wohl auf die Initiale ihrer Schutzpatronin, der Hl. Thekla. Pflanzenmotive umranken den Schild, die Früchte wurden als Äpfel oder Oliven identifiziert. Handelt es sich um letzteres, so könnte das Kapitell auch auf das Familienwappen des Erzbischofs Bernats d’Olivella (gest. 1287) anspielen.
Tarragona (?), 1. Drittel 13. Jh.
Weißer Marmor
Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya,
Inv. MNAC 24017-000
Das Weihwasserbecken aus Tarragona zeigt einige Abnutzungsspuren und war ursprünglich an einer Wand befestigt. Verschlungene Perlenbänder umrahmen figürliche Motive: ein Akrobat, ein Mensch auf einem geflügelten Wesen, ein Kampf zwischen Mensch und Tier (vielleicht ein Löwe) sowie ein aufrechter Vierbeiner. Das Becken stammt wohl aus den Werkstätten Tarragonas, eventuell auch aus Lleida. Das Dekor greift auf ein im östlichen und islamischen Raum verbreitetes und seit langem etabliertes Repertoire zurück.
Tarragona, 7. August 1151
Pergament
Barcelona, Arxiu de la Corona d’Aragó, pergs.
Ramon Berenguer IV, carp. 38, núm 242
Tarragona, August 1151
Pergament
Barcelona, Arxiu de la Corona d’Aragó, pergs.
Ramon Berenguer IV, carp. 38, núm 243
Diese Urkunden dokumentieren exemplarisch den Machtverlust des normannischen Prinzipats von Tarragona. Mit der Verlagerung der Residenz des Erzbischofs von Barcelona nach Tarragona bekamen Robert und sein Sohn Wilhelm Burdet Konkurrenz um die Herrschaft. Weltliche und kirchliche Kräfte gerieten aneinander und Konflikte entzündeten sich. Davon berichtet ein Gerichtsurteil (1), dessen Entscheidung zugunsten des Erzbischofs ausfiel, der Wilhelm die Zerstörung kirchlicher Güter vorwarf. Mit der zweiten Urkunde (2) gab der Erzbischof wenig später Tarragona zurück in die Hände des Grafen von Barcelona. Dies bedeutete faktisch das Ende der Unabhängigkeit des Prinzipats.