Zur machtpolitischen Expansion traten im Laufe des 11. Jahrhunderts zunehmend religiöse Komponenten. Die Auseinandersetzungen mit den Muslimen wurden zu einem Kampf gegen „Ungläubige“ stilisiert und Motive der späteren Kreuzzüge vorweggenommen. Sowohl auf der Iberischen Halbinsel als auch in Palästina kämpfte Rotrou de Perche (gest. 1144). Dieser stammte aus einer Grenzregion zur Normandie, war mit einer unehelichen Tochter Heinrichs I. von England verheiratet und über seine Mutter weitläufig mit dem König von Aragon verwandt. Anfang der 1120er Jahre reiste Rotrou nach Aragon und nahm an verschiedenen militärischen Kampagnen teil. Er regierte Tudela und bezeugte in Aragon zahlreiche Dokumente, kehrte aber schließlich wieder in die Normandie zurück.
Entstehungsort: Zypern (?)
Aufbewahrung: Abtei Santa María de Nogales,
León, ca. 1250–1280
Blei und Zinnlegierung, hölzernem Kern
Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya,
Inv. MNAC 044986-000
Dieses Kästchen wurde lange Zeit in einem Kloster im Königreich Léon aufbewahrt. Es zeigt aber keine religiösen Szenen, sondern schwer bewaffnete Ritter und an den Querseiten eine thronende Figur mit Krone. Ikonografisch kann das Kästchen also in einem höfisch-ritterlichen Kontext verortet werden. Die Darstellungen sind Ausdruck eines neuen Konzepts von Ritterlichkeit, das stark von der „Reconquista“ und Veränderungen im Militärwesen geprägt ist.