Von Nordmännern zu Normannen 800 - 1200

Die Gründung und Konsolidierung der Normandie

Das Bild der wikingerzeitlichen Skandinavier im Westen unterschied sich von dem im Osten. Es war stark von den Plünderungszügen geprägt, die seit dem Ende des 8. Jahrhunderts die Küstenregionen bedrohten. Die bewaffneten Wikingergruppen waren zumeist auf schnelle Beute aus und suchten nach lohnenden Zielen – darunter häufig Klöster und Kirchen. Doch es gab auch Skandinavier, die an Landgewinn interessiert waren und sich eigene Herrschaften aufbauen wollten. Zu diesen Nordmännern gehörte Rollo (gest. ca. 925/932), der sich Ende des 9. Jahrhunderts im nördlichen Frankenreich niederließ. Er wurde zum Begründer der normannischen Herzogslinie. Der westfränkische König Karl „der Einfältige“ (gest. 929) traf um 911 ein Abkommen mit den „Seine-Normannen“. Aus dem Gebiet um Rouen, dem ersten Hauptort, entwickelte sich im Laufe des 10. Jahrhunderts ein Fürstentum, das nach seinen fremdländischen Herrschern den Namen „Normandie“ erhielt. Binnen kürzester Zeit integrierten sich die skandinavischstämmigen Normannen in das westfränkische Reich. Sie übernahmen die christliche Religion, Sprache und Kultur, verbanden sich mit der einheimischen Bevölkerung und schufen eine starke Herrschaft. Sie bauten Klöster und Burgen und richteten den Blick bald auch auf andere Territorien.