Zahlreiche lateinische Chroniken des Mittelalters berichten von den kriegerischen Nordmännern. Diese griffen blitzschnell an und nichts schien ihnen heilig zu sein. Da diese Texte meist in Klöstern geschrieben wurden und unsere wichtigsten Schriftquellen sind, prägen sie bis heute das Bild der Wikinger. Aber parallel dazu es gab auch andere Skandinavier, die Westeuropa bereisten, als Händler tätig waren oder sich ansiedelten. Rouen war schon vor der Ankunft Rollos und seiner Männer ein Handelszentrum und auch nach der Entstehung der Normandie gab es weiter Mobilität von und nach Norden. Aufgrund der schnellen Integration der Nordmänner, die sich dauerhaft ansiedelten, haben sich nur wenige archäologische Spuren der „Wikinger“ erhalten. Bei ihnen handelt es sich zumeist um Flussfunde oder Zeugnisse baulicher Zerstörungen.
Geborgen aus der Seine bei Rouen, 2. H. 9. Jh./
Anfang 10. Jh.
Rouen, Musée des Antiquités, Inv. 1804.12.1 (1);
Inv. 1804.13 (2); Inv. R.89.1 (3); Inv. R.89.1 (4)
Diese Waffen kamen zufällig bei der Ausbaggerung der Seine nahe Rouen (1882–1884) zutage. Zusammen mit ähnlichen Waffenfunden bezeugen sie Wikingerüberfälle in der Region im 9. Jh. Kampfäxte waren typische Waffen der Wikinger, Schwerter hingegen wurden in ganz Europa genutzt. Das zerbrochene Schwert (1) dürfte ein Wikinger verloren haben, das Langschwert mit halbkreisförmigem Knauf (2) stammt aus einer karolingischen Waffenschmiede. Es kann daher nicht eindeutig einem Wikinger oder einem einheimischen Kämpfer zugeordnet werden, denn auch Wikinger schätzten karolingische Waffen.
Pîtres (Eure), 2. H. 9. Jh.
Kupferlegierung, vergoldet
Rouen, Musée des Antiquités, Inv. 1251
Ovalfibeln mit detailreicher Tierornamentik waren in Skandinavien Massenware. Das hier gezeigte Fibelpaar repräsentiert jedoch den einzigen solchen Fund auf dem europäischen Kontinent. Vermutlich stammen sie aus dem Grab einer Wikingerfrau. Dieser Fund zeigt, dass auch skandinavische Frauen reisten und vielleicht Handel in der heutigen Normandie trieben. Für Christen war die Beisetzung mit Schmuck im 9. Jh. unüblich, die Tote war daher nicht christianisiert.
Prüm, 1084
Pergament
Trier, Wissenschaftliche Bibliothek,
HS 1286/43 8°, fol. 41
Die Chronik Reginos ist eine wichtige Quelle zur fränkischen Geschichte des 9. und frühen 10. Jahrhunderts. Als Abt von Prüm erlebt Regino 822 hautnah einen Überfall der nortmanni, wie er sie nennt, mit. Eindrücklich beschreibt er, mit welcher Gewalt die Plünderer vorgingen:
„… streckten sie [die Bauern] unter einem solchen Gemetzel nieder, dass unvernünftiges Vieh, nicht Menschen geschlachtet zu werden schienen. […] Als die [Nordmänner] abzogen, verzehrte das Feuer, welches in verschiedenen Gebäuden brannte, das Kloster, weil niemand zum Löschen da war.“