„Rollos große Flotte segelte den Fluss hinauf ins Landesinnere und als er sah, wie fruchtbar das Land war - mehr als die anderen Regionen, die sie durchquert hatten -, ergriff ihn der Wunsch, es für sich in Besitz zu nehmen. Denn es ist ein Land mit Flüssen voller Fisch und Wäldern voll von wilden Tieren, fruchtbar und geeignet für Getreide und andere Saat, mit reichem Weideland um Vieh zu füttern. […] Aus diesem Grund gingen sie an Land und begannen sich die Einwohner untertan zu machen.“
Rollo (gest. um 925/32) war nicht der erste Skandinavier, der sich dauerhaft im nördlichen Frankreich niederließ. Er war jedoch der Begründer der normannischen Herzogslinieund ist auch heute eine bekannte Figur. Dennoch bleibt vieles zu seinem Leben im Dunkeln und ist eher dem Bereich der Mythen zuzuordnen. Weder seine Abstammung noch verlässliche Details zu seinem Leben sind bekannt. Sicher ist allerdings, dass er eine gewisse Führungsrolle hatte und Ansprechpartner für den westfränkischen König war. Auch wenn der „Vertrag“ von Saint-Claire-sur-Epte von 911 als schriftliches Dokument fiktiv ist, gab es doch Absprachen zwischen Nordmännern und Westfranken. Die Nordmänner wurden Christen, integrierten sich in das westfränkische Reich und wurden Teil des dortigen gesellschaftlichen Gefüges.
Produktion: eichfelder artworks
Grafische Vorlage: Rollo-Teppich, Association
„La Tapisserie de Rollon“
Länge: 03:39 min
Die Entstehung der Normandie und die Ankunft ihres „Gründers“ Rollo in Nordfrankreich ist von Legenden umrankt. Was genau vorgefallen ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Dieser Stop-Motion-Film erzählt die Geschehnisse, die zur Entstehung der Normandie geführt haben (könnten), mit einem Augenzwinkern nach. Als Bildgrundlage diente der sog. Rollo-Teppich, der 2011 im Stil des berühmten Teppichs von Bayeux entstand und auf 22 m die Geschichte Rollos nacherzählt.
Normandie, um 920 (1); Melle (zentrales
Westfrankreich), 9./10. Jh. (2)
Silber
Paris, Bibliothèque nationale de France,
Inv. Prou 1041 (MER 1116) (1);
Stuttgart, Landesmuseum Württemberg,
Inv. MK 1952–392 (2)
Auf dem Obol (2) sind ein Kreuz, Karls Name und der Prägeort MET ALO (Melle) zu sehen. Es sind zwar keine auf den Namen Rollo geprägten Münzen bekannt, aber der gezeigte Denar (1) wurde wohl während seiner Herrschaft hergestellt. Es handelt sich um eine Nachahmung eines Münztyps Ludwigs des Frommen (gest. 840), der auch in Skandinavien im Umlauf war. Dies könnte die Wahl eines alten Prototyps erklären. Die Tempeldarstellung auf dem Revers sollte charakteristisches Merkmal normannischer Münzprägung werden.
Abtei Saint-Germain-des-Prés, 14. Mai 918
Pergament
Pierrefitte-sur-Seine, Archives Nationales,
Inv. K16, Nr. 9
Diese Urkunde ist das älteste Dokument, das den Wikinger Rollo und die „Normannen an der Seine“ erwähnt. König Karl „der Einfältige“ überträgt das nordfranzösische Kloster Croix-Saint-Ouen an die bedeutende Pariser Abtei Saint-Germainde- Prés. Explizit nimmt er von der Schenkung die Gebiete aus, die er bereits an Rollo übertragen hatte. Im Gegenzug weist er die Mönche an, für sein Seelenheil und das seiner verstorbenen Frau zu beten.