Das Königreich Sizilien bildete nicht den südlichen Abschluss der normannischen Welt. Es fungierte vielmehr als Sprungbrett
in den Mittelmeerraum. Bereits kurz nach der Ankunft der Normannen in Süditalien wurden die Byzantiner zu ihren Gegnern, die sie schließlich aus Süditalien vertrieben. Wenige Jahre später erweiterten sich die Ambitionen der Normannen. Sie zielten nunmehr auf das Kerngebiet des Byzantinischen Reichs. Der Eroberungszug Robert Guiscards scheiterte allerdings mit dessen Tod. Das Verhältnis der Normannen zu Byzanz blieb in der Folge ambivalent: Es schwankte zwischen Imitation, Annäherung und Gegnerschaft. Konfliktherde fanden sich nach Beginn der Kreuzzüge auch in der Levante. Die Eroberung und Begründung des normannischen Prinzipats von Antiochia durch Bohemund von Tarent (gest. 1111) bedeuteten eine Verletzung byzantinischer Ansprüche. Dennoch hatte das Fürstentum von Antiochia bis 1268 Bestand. Von Sizilien aus richtete sich der Blick der Normannen auch auf das südliche Mittelmeer und die nordafrikanische Küste (Ifrîqiya), wo reiche Handelszentren lockten. Unter Roger II. (gest. 1154) begann das Ausgreifen nach Süden. Nach der Eroberung Maltas folgte die Besetzung von Küstenstädten Ifrîqiyas sowie die Kontrolle einzelner Küstenstreifen und vorgelagerter Inseln. Die Herrschaft war allerdings nicht von Dauer und überwiegend indirekter Natur.
Barletta, aus der zerstörten Kirche von S. Maria
di Nazareth, Ende 12. Jh.
Stein
Barletta, Museo Civico – Castello, Inv. 74
Die Skulptur gehörte zu einem Portal oder Fenster der Alten Kirche von Nazareth in Barletta. Angehörige der lokalen normannischen Elite stifteten die Kirche 1158 den Kanonikern von Nazareth. Unter normannischer Herrschaft intensivierte sich der künstlerische Austausch zwischen Süditalien und dem Heiligen Land. Dieses Relief weist einige Merkmale auf, die von der Kunst der Kreuzfahrerstaaten beeinflusst wurden. Dazu gehört die ausgeprägte Betonung der körperlichen Züge, wofür es in Apulien nur wenige zeitgenössische Vergleiche gibt.