Die engen Beziehungen zwischen Ifrîqiya und Sizilien gingen auf die muslimische Zeit zurück. Vor allem im Handel bestanden sie aber auch nach der normannischen Eroberung fort. Die Normannen schlossen Verträge mit dem Herrschergeschlecht der Ziriden im heutigen Tunesien. Diese waren aber zugleich Konkurrenten um die Kontrolle der Seewege im südlichen Mittelmeer. Nach seiner Königskrönung fasste Roger II. (gest. 1154), den Plan, Ifrîqiya normannischer Herrschaft zu unterwerfen. Er nutzte die politisch instabile Lage und schickte um 1140 eine Flotte in Richtung der nordafrikanischen Küste. Nach ersten Rückschlägen gelang es den Normannen, strategisch bedeutende Städte zu sichern. Die muslimischen Herrscher mussten einen Tribut entrichten; ihre Autonomie verloren sie aber nicht. Die normannische Herrschaft war allerdings nur von kurzer Dauer und hinterließ keine bleibenden Spuren.
Eingraviertes Basrelief
mit König (Kopie)
al-Mahdiyya, 10./11. Jh. (Original)
Gipskopie (Original: weißer Marmor)
Ariano Irpino, Museo della Civiltà Normanna
(Centro Europeo di Studi Normanni), ohne Inv.
Die im Original aus weißem Marmor hergestellte „Platte von Mahdiyya“ zeigt einen auf einem Thron sitzenden König mit einer dreispitzigen Krone auf dem Haupt. Er trägt eine Tunika, die mit griechischem Muster verziert ist. Zu seiner Linken ist ein Flötenspieler zu sehen. Diese Art der Darstellung ist eng mit der arabisch-normannischen Kunst des 12. Jh. in Sizilien verbunden. Möglicherweise stellt das steinerne Monument sogar den normannischen Herrscher Roger II. dar, der die Eroberung der nordafrikanischen Gebiete feiert.
Produktion: Anna Becker, Kristin Mues
Sprecherin: Giulia Worf
Länge: 03:04 min
Hören Sie genau hin und versetzen Sie sich auf einen nordafrikanischen Markt des 12. Jh. Riechen Sie an den Gewürzen und an den exquisiten Ölen. Berühren Sie die kostbaren Stoffe und Felle. Viel Spaß dabei!
(1–5) 5 Amphoren
Palermo, Ende 10./Anfang 11. Jh.
Roter Ton (1, 4), grauer Ton (2, 3) mit weißen Einschlüssen,
Grauer Ton mit Kalkstein-Elementen (5)
Marsala, Museo Archeologico Regionale Lilibeo,
Inv. 10039 (1); Inv. 10047 (2); Inv. 10069 (3);
Inv. 10076 (4); Inv. 10082 (5)
Diese Amphoren stammen aus einem Schiffswrack, das vor der Küste des sizilianischen Marsala gefunden wurde. Sie sind ein Zeugnis für den regen Handel zwischen Sizilien und dem restlichen Mittelmeer. Ähnliche Amphoren wurden unter anderem auch in Tunesien gefunden. In ihnen wurde Wein transportiert.
Tunesien, Mitte 12.–Anfang 12. Jh.
Majolika, H. 15 cm, B. 18 cm
Marsala, Museo Archeologico Regionale
Lilibeo, Inv. 3537
Die Flasche wurde ursprünglich in Tunesien hergestellt. Die kufische, also altarabische, Schrift auf der Flasche liest sich al-yumn, was „Wohlstand“ oder „viel Glück“ bedeutet. Diese Glücksformel ist seit dem 12. Jh. in der islamischen Kunst weit verbreitet. Der Fund der Flasche in einem sizilianischen Kloster in Marsala zeugt von den Handelsaktivitäten zwischen Sizilien und Nordafrika.
Ägypten oder Sizilien, 11.–12. Jh. (?)
Schwarze Glasmasse
Marsala, Museo Archeologico Regionale Lilibeo,
Inv. 7041
Glasmünzen sind seltene Funde, da sie normalerweise für eine Wiederverwendung wieder eingeschmolzen wurden. Münzen dieser Art dienten als Zahlungsmittel. In der Mitte dieser Glasmünze erahnt man die eingestanzte Inschrift „Allah“.
Tunesien, Mitte 12.–Anfang 13. Jh.
Majolika
Marsala, Parco Archeologico di Lilibeo-Marsala,
Inv. 11981
Das grüne und braune Dekor dieser glasierten Schale steht in Tradition zur islamischen Kunst. Die Keramik wurde mit der glücksbringenden Formel al-yumn verziert. Islamische Kunsthandwerker arbeiteten auch während der normannischen Herrschaft in sizilianischen Keramikwerkstätten. Marsala war ein Zentrum für nordafrikanische Keramikimporte.
Tunesien, Mitte 12.–Anfang 13. Jh. (1–3)
Majolika (1–3)
Marsala, Museo Archeologico Regionale Lilibeo,
Inv. 11982 (1); Inv. 11983 (2); Inv. 11284 (3)
Die Schalen mit brauner und grüner Glasur stehen in Tradition zur islamischen Kunst. Sie wurden in Wohngebieten nahe der normannischen Festung im sizilianischen Marsala gefunden. Eine der drei Schalen (2) ist einheitlich grün glasiert und besitzt zudem noch eine pseudo-epigrafische Inschrift in kufischen Zeichen.
Nordafrika oder Sizilien, 12.–Anfang 13. Jh. (?)
Terrakotta mit aufgehellten Oberflächen
Marsala, Museo Archeologico Regionale Lilibeo,
Inv. 11985
Dieses Amphorenfragment mit sternförmigem Ritzdekor ist durchbrochen und diente als Filter. Amphoren waren wichtige Gefäßtypen für den Handel, insbesondere von Wein und Öl.
Griechenland/Ägäische Inseln, Mitte 12. Jh. (5);
1. H. 12. Jh. (6)
Ton
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung
und Museum für Byzantinische Kunst,
Inv. 32/67 (5); Inv. 31/66 (6)
Der von Meerestieren verursachte Kalküberzug einer der Schalen (5) deutet darauf hin, dass diese aus einem Schiffswrack stammt. Beide Schalen sind ähnlich dekoriert: In der Mitte der einen Schale (6) befindet sich ein Vogelmotiv, das mit Ranken und schuppenähnlicher Dekoration verziert ist. Am Rand der Schale befindet sich ein schmales Schmuckband, dessen Ornamentik entfernt an pseudokufische Schrift erinnert. Die andere Schale (5) hat einen Greif im Zentrum, dessen Körper hundeähnlich gestaltet ist. Hier ist der Hintergrund mit Wellenmustern gefüllt und es gibt ebenfalls
ein Schmuckband mit pseudo-kufischer Schrift.