„Sein [Bohemunds] Anblick rief bewunderndes Staunen, die Nennung seines Namens Schrecken hervor. Er war von so hoher Statur, dass er die größten Männer um fast eine Elle überragte. Um den Bauch und die Hüften war er schlank, er hatte breite Schultern und eine mächtige Brust, seine Arme waren stark, und in seiner ganzen Statur war er weder mager noch beleibt, sondern vollendet proportioniert. Seine Haut war am Körper sehr weiß, im Gesicht war sie weiß und rot gemischt. Sein Haar war mittelblond, aber es hing ihm nicht bis auf die Schulterblätter herab wie bei den übrigen Barbaren; er trug es kurzgeschnitten bis zu den Ohren. Ob sein Bart rot war oder eine andere Farbe hatte, kann ich nicht genau sagen; denn über diesen war das Schermesser gekommen, und zwar sorgfältiger als jeder Ätzkalk. (…) Seine Augen waren blau und drückten zugleich Mut und würdevollen Ernst aus. (…) Dieser Mann hatte etwas Gewinnendes an sich, es wurde jedoch durch das Furchteinflößende, das ihm anhaftete, fast ganz zunichtegemacht. (…). In seinem Denken war er überaus wendig, voller Schläue und um eine Ausflucht nie verlegen. Seine Äußerungen im Gespräch waren nämlich sehr genau berechnet, und die Antworten, die er gab, waren glatt auf allen Seiten.“
Die Ausrufung des Ersten Kreuzzugs durch den Papst (1095) stieß bei den Normannen auf große Resonanz. Hier ließ sich religiöser Eifer mit militärischem Einsatz verbinden. Außerdem ließ das Heilige Land auf materiellen und territorialen Gewinn hoffen. Einer der normannischen Kreuzfahrer und militärischen Führer des Heers war Bohemund von Tarent (gest. 1111), ein Sohn Robert Guiscards. Auf dem Weg nach Jerusalem eroberten die Kreuzfahrer Antiochia, den alten Bischofssitz des Heiligen Petrus. Entgegen allen Absprachen mit Byzanz nahm Bohemund die Stadt in Besitz und begründete eine Herrschaft. Doch der Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser eskalierte schließlich. Nach einer Niederlage starb Bohemund in Italien bei dem Versuch, ein Heer gegen Byzanz auszuheben. Seine großen Ambitionen spiegeln sich in seinem Grabmal.
Fatimidisches Ägypten, 1100
Papier
Cambridge, The Syndics of Cambridge University
Library, T-S 20.113
In diesem Brief beschreiben die Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde Askalons (Heiliges Land) die schwierigen Umstände in der Stadt einige Monate nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer (15. Juli 1099). Die befestigte Stadt war noch nicht gefallen, aber die Bewohner hatten mit einem Zustrom von Flüchtlingen zu kämpfen und mussten hohe Geldzahlungen an die Kreuzfahrer leisten. Dieses mit hebräischen Schriftzeichen in arabischer Sprache verfasste Schreiben ermöglicht einen seltenen Blick auf das Schicksal der Unterlegenen und die tiefgreifenden sozialen wie wirtschaftlichen Verwerfungen, die durch die Ankunft der Kreuzfahrer im Heiligen Land ausgelöst wurden.
Akkon, Lateinisches Königreich von Jerusalem,
14. Jh.
Pergament
Paris, Bibliothèque Nationale de France,
ms. fr. 9084, fol. 53
Bei der gezeigten Handschrift handelt es sich um ein bedeutendes Geschichtswerk über die Kreuzzüge und die Kreuzfahrerstaaten. Ihr Verfasser war als Erzbischof von Tyrus (gest. 1186), Tutor Prinz Balduins IV. und Kanzler des Königreichs Jerusalem ein wichtiger Zeitzeuge. Erst mit der Übersetzung ins Altfranzösische (13. Jh.) verbreitete sich das Werk in Europa. Die aufgeschlagene Miniatur zeigt die Belagerung Antiochias. Die christlichen Ritter sind dabei überlebensgroß und heroisch dargestellt, während die muslimischen Verteidiger grimmig blicken und sich verschanzen.
Antiochia, 1104–1112
Revers: IC XC NI KA
Kupfer
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18279702
Avers: BALDVINVS REX
Revers: DE IERVSALEH
Jerusalem 1143–1163
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18206294
Beide Münzen wurden in den Kreuzfahrerstaaten geprägt. Der follis des Normannen Tankreds, der zeitweise für seinen Onkel Bohemund Antiochia regierte, orientiert sich klar an byzantinischen Vorbildern. Zu sehen ist ein Herrscherporträt Tankreds mit erhobenem Schwert sowie auf dem Revers ein Kreuz. Der Denar Balduins III. nimmt hingegen keinen Bezug auf arabische oder byzantinische Münztypen, die Bildsprache mit Kreuz und stilisiertem Davidstempel ist christlich aufgeladen.
Antiochia, ca. 1165–1230
Avers: + BOAMVNDVS
Revers: + ANTIOCHIA
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18279713
Tripolis, Libanon, ca. 1268–1287
Avers: + BOEMVNDVS COMES
Revers: + CIVITAS TRIPOLI
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18279286
Bei diesen beiden Stücken handelt es sich um typische Münzen der Kreuzfahrerstaaten. Der Helm-Denar Bohemunds III. bzw. IV. (3) ist sogar die häufigste Kreuzfahrermünze. Seit etwa 1165 wurde sie in der Münzstätte Antiochias geprägt. Die Umschrift lautet wie bei dem anderen Exemplar (4) „Bohemund“. Die nicht personalisierten Umschriften und Münzbilder (Kreuz- und Sterndarstellungen sowie Helmbild) machen eine Zuschreibung zu einem spezifischen Bohemund schwierig.
Produktion: Faber Courtial
Länge: 03:50 min
Bari, Dezember 1089/90
Avers, auf Griechisch: „Hl. Petrus“
Revers, auf Griechisch: „Oh Herr, beschütze deinen
Diener Bohemund“
Pergament mit Bleisiegel
Bari, Archivio della Basilica di S. Nicola,
Per. Norm. A 16 (CBD V, 15)
Bei dieser Urkunde, die eine Schenkung bestätigt, ist der historische Kontext interessant. Nach dem Tod Roberts Guiscards (1085) stritten sich seine Söhne Roger Borsa und Bohemund um das Erbe. Obwohl er der Jüngere war, wurde Roger Herzog. Bohemund konnte sich jedoch einige Gebiete in Apulien und Kalabrien sichern. 1089 kam es zum Friedensschluss. Die vorliegende Urkunde markiert den Beginn der rechtmäßigen Herrschaft Bohemunds über die Stadt Bari. Das Siegel mit Petrusbildnis scheint die spätere Eroberung Antiochias, der ersten Bischofsstadt des Apostelfürsten, vorwegzunehmen.
Tarent, 30. Dezember 1117
Pergament
Bari, Archivio della Basilica di S. Nicola,
Per. Norm. D 16 (CDB V,64)
Als Bohemund I. von Antiochia 1111 starb, übernahm seine Frau Konstanze die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Bohemund II. Sie ließ sich in Tarent in Apulien nieder. Mit dieser Urkunde bestätigte Konstanze eine herzogliche Schenkung an den Erzbischof von Bari. Im Dokument wird Konstanzes herausgehobene Stellung als französische Königstochter betont. Außerdem verweist der Text auf ihre Autorität als Ehefrau Bohemunds und Mutter des unmündigen Erben.
Apulien, 11./12. Jh.
Bronze
Canosa di Puglia, Museo dei Vescovi, ohne Inv.
Ägypten (?), 1. Jh. v. Chr./1. Jh. n. Chr. oder
Kopie aus dem 11./12. Jh.
Alabaster
Canosa di Puglia, Museo dei Vescovi, ohne Inv.
Beide Objekte werden mit dem Mausoleum Bohemunds in Canosa in Verbindung gebracht. Der Türzieher (1) in Form eines Löwenkopfs mit wallender Mähne war an einer Holz- oder Bronzetür angebracht. Der Löwe kann als Türwächter und Erlösungssymbol interpretiert werden. Das Gefäß (2) wurde vielleicht in Ägypten oder der Levante gefertigt. Möglicherweise brachte es Bohemund von einem seiner Feldzüge mit. Traditionell wird es dem Totenkult zugeschrieben. Später diente es vermutlich als Lampe im Inneren des Mausoleums.
Byzanz, 1166
Pergament
Vatikanstadt, Biblioteca Apostolica Vaticana,
Vat. gr. 1176, fol. 2r
Die Miniatur zeigt den byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos und die Kaiserin Maria. Sie war die Erbin des Fürstentums Antiochias und Urenkelin
Bohemunds I. Nach dem Tod des Kaisers fungierte Maria als Regentin für ihren unmündigen Sohn. Sie war die erste lateinische Regentin des Byzantinischen Reichs. Die Miniatur befindet sich in den Chronike diegesis. Der Autor, Niketas Choniates (gest. 1217), beschreibt darin die Ereignisse ab 1118 bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer (1204).