Die normannische Welt ab 750

Wer waren die Normannen?

Zwischen 800 und 1200 waren die Normannen eine prägende Kraft im mittelalterlichen Europa und im Mittelmeerraum. Aus skandinavischen Händlern, Kriegern und Siedlern, die meist unter dem Begriff Wikinger bekannt sind, entwickelten sich die Normannen und in Osteuropa die Rus’. Beide Gruppen übernahmen Fremdbezeichnungen für sich und erwiesen sich als Meister der Integration. In Osteuropa und der Normandie errichteten sie mächtige Fürstentümer; von der Normandie griffen sie in neue Territorien aus. Normannen eroberten England, kämpften auf der Iberischen Halbinsel und Süditalien, begründeten das Königreich Sizilien, den Prinzipat von Antiochia und kontrollierten kurzzeitig sogar Teile der nordafrikanischen Küste. Bei ihren Unternehmungen trafen die Normannen auf unterschiedliche Gesellschaften, Kulturen und Traditionen. Sie passten sich sehr geschickt an und stellten sich auf ganz unterschiedliche Situationen ein. Auch wenn sie zumindest für einige Zeit den Namen Normannen beibehielten, veränderten sie sich stetig und bildeten niemals eine homogene Gruppe. Vielleicht bestand sogar ihr größter Erfolg darin, sich stets aufs Neue mit anderen Gesellschaften zu verbinden. So sicherten sie erfolgreich die Zukunft ihrer Familien und
Gruppen. Deshalb ist normannische Geschichte ein integraler Bestandteil europäischer und mediterraner Geschichte und Kultur.

Bildstein von Smiss

Gotland, um 750–10. Jh.
Kalksteinplatte, Flachrelief mit feinen Ritzungen
Stockholm, National Historical Museums,
Swedish History Museum, Inv. SHM 11521

Bildsteine wie dieser waren in der Frühgeschichte Skandinaviens weit verbreitete Denkmäler. Der Stein zeigt im oberen Abschnitt zwei kämpfende Männer, die mit Rundschilden und Schwertern bewaffnet sind. Im unteren Bereich ist ein Schiff abgebildet, auf dem sich fünf Personen mit Schilden und Helmen befinden. Die Darstellung eines Schiffes auf Bildsteinen wird häufig mit Vorstellungen von einer Totenwelt in Verbindung gebracht.