Trotz beständiger Kämpfe in England und in der Normandie gelang es Wilhelm I. (gest. 1087), seine beiden Herrschaften zu sichern. Nach seinem Tod bedrohten allerdings Konflikte unter seinen Söhnen die Einheit. Erst 1105 wurden England und die Normandie wieder von einem König, Heinrich I. (gest. 1135), regiert. Dessen einziger Sohn starb allerdings bei einem Schiffsunglück. Heinrich versuchte daraufhin, seine Tochter Mathilda als Erbin zu etablieren. Sie war die Witwe des römischen Kaisers Heinrich V. (gest. 1125) und machtbewusst – aber sie war eine Frau. Trotz geleisteter Eide unterstützten große Teile des englischen Adels nach dem Tod Heinrichs ihren Widersacher, Stephan von Blois (gest. 1154). Dieser war mütterlicherseits ebenfalls ein Enkel Wilhelms „des Eroberers“. Doch Mathilda gab nicht kampflos auf. Es begann ein fast 20 Jahre dauernder Bürgerkrieg. Erst Mathildas Sohn aus ihrer Ehe mit Graf Gottfried von Anjou konnte die Herrschaften nach Stephans Tod wieder vereinen und als König Heinrich II. (gest. 1189) die Regierung über ein riesiges Reich antreten.
England, 1128–1140
Pergament
Oxford, Corpus Christi College, MS 157, S. 382–383
Die gezeigte Chronik ist vor allem durch ihre Miniaturen sehr berühmt. Sie zeigen Darstellungen von drei (Alb-)Träumen Heinrichs I., wie er sie seinem Arzt geschildert haben soll. Der eine zeigt Personifizierungen der drei Stände der englischen Gesellschaft – Bauern, Ritter und Klerus – am Bett des schlafenden Königs. Sie erinnern ihn an seine Pflichtverletzungen und nicht eingelösten Versprechen. Ein weiteres, hier aufgeschlagenes Bild zeigt eine beinahe verhängnisvolle Seefahrt, die den König an das Unglück des Weißen Schiffs erinnert. Bei diesem hatte Heinrich seinen Sohn und Erben verloren.
Anonyme Kaiserchronik
Bamberg, um 1114
Pergament
Cambridge, The Parker Library, Corpus Christi
College, MS 373, fol. 95v
Bei der gezeigten Handschrift handelt es sich um eine Weltchronik, die für den Salierkaiser Heinrich V. angefertigt wurde. Dieser hatte 1114 die Tochter Heinrichs I. von England, Mathilde, geheiratet. Ihre Hochzeit ist auf der aufgeschlagenen Miniatur dargestellt. Mathilde lernte unter der Ägide des Erzbischofs von Trier Deutsch und höfisches Benehmen, als Kaiserin das Selbstbewusstsein einer Herrscherin. Nah dem Tod ihres Mannes kehrte Mathilde in die Normandie und nach England zurück. Im Gepäck hatte sie wahrscheinlich diese Handschrift.
Liber Benefactoribus des Thomas’ Walsingham
St. Albans, 14. Jh. (1380)
Pergament
London, The British Library, Cotton Nero D. VII.,
fol. 7r
Der Liber Benefactoribus verzeichnet die wichtigsten Förderer des bedeutenden englischen Klosters St. Albans. Der Text der Schenkungen ist jeweils von einer Miniatur begleitet, welche die Unterstützer darstellt. Auf fol. 7r ist eine der wenigen Darstellungen Kaiserin Mathildes zu sehen. Sie trägt eine Krone und hält eine Urkunde mit anhängendem Siegel in der Hand, die ihre Schenkung repräsentiert. Der zugehörige Text bezeichnet sie als „Königin Mathilda“. Damit wird ganz nebenbei die Rechtmäßigkeit ihres Anspruches auf die englische Krone bestätigt – die Krone, die Mathilde niemals erlangte, nicht zuletzt aufgrund ihres Geschlechts.
Rückseite: ihs
Abtei Valasse, Normandie, 11.–Anfang 12. Jh.
Gold und Silber, Holzkern, Glaswaren und
Edelsteine
Rouen, Musée des Antiquités, Inv. 443 (A)
Das kostbare Reliquienkreuz ist ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Es hat die Form eine Tatzenkreuzes und besteht aus einem kleinen goldenen Gemmenkreuz, das in ein größeres kostbar verziertes Kreuz integriert wurde. Die Vorderseite weist filigrane Rosetten, die Rückseite eine Silberplatte auf. Die Kaiserin Mathilde hatte Teile des Kreuzes vielleicht aus dem Kaiserreich mitgebracht. Das Kreuz, das als Geschenk an die von von Mathilde gegründete Zisterziensergemeinschaft von Le Valasse gelangte, diente als Symbol der Herrschaft der normannischen Herzöge.
Produktion: eichfelder artworks
Grafische Vorlagen: Teppich von Bayeux (Bayeux,
Musée de la Tapisserie); Rollo-Teppich Association
„La Tapisserie de Rollon“; Pirou-Teppich,
„La Tapisserie de Pirou“
Länge: 02:21
Nach Wilhelms Tod wurde das normannische Reich, das aus dem Königreich England und der Normandie bestand, unter zwei seiner drei Söhne aufgeteilt. Vereint wurde die Herrschaft erst wieder unter seinem dritten Sohn, Heinrich I. Als dessen einziger männlicher Erbe starb, versuchte er die Nachfolge für seine Tochter Mathilde zu sichern. War er erfolgreich?
Finden Sie es in diesem Film heraus!
Die normannische Eroberung hatte auch einen großen Einfluss auf die Sprache in England. Tausende französische Lehnworte, die heute Teil des Englischen sind, gehen auf die Eroberung und die normannischen Einflüsse zurück. Trotzdem blieb das Angelsächsische weiter in Gebrauch, besonders unter der einfachen Bevölkerung. Daraus entstand oft ein gleichzeitiges Vorhandensein von zwei Begriffen. Spielen Sie mit uns Domino und versuchen Sie die passenden Wortpaare zu finden. Die didaktische Station basiert auf einer Idee der Studierenden Thomas Holzinger, Tim Laubscher, Benedikt Pfalzgraf, Patrick Prokop, Alexander Queren, Kathrin Stroh, Lutz Wahnschaffe und David Zimnol. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Simone Sklorz und Daphne Blauwhoff umgesetzt.