Emma (gest. 1052) war ein wichtiges Bindeglied zwischen der Normandie, England und Skandinavien. Ihre erste Ehe wurde im Zeichen der Abwehr skandinavischer Bedrohung geschlossen. Sie heiratete 1002 den englischen König Æthelred II. (gest. 1016). Als der Dänenkönig 1013 in England einfiel, floh sie mit ihren Kindern in die Normandie. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie nach England zurück und heiratete den siegreichen Knut. An seiner Seite wurde die machtbewusste Emma zum zweiten Mal englische Königin. Ihre Söhne aus erster Ehe ließ sie am normannischen Herzogshof zurück, wo sie lange lebten. Dies erklärt die enge Bindung ihres Sohnes Eduard (gest. 1066) an die Normandie. Auch als er später englischer König wurde, blieb diese Verbindung erhalten. Eduard ernannte sogar einen Normannen zum Erzbischof von Canterbury. Auf Druck des einflussreichen angelsächsischen Adligen Godwin von Wessex wurde der normannische Einfluss aber zurückgedrängt.
England, Normandie oder Flandern, Mitte/3. Viertel
11. Jh.
Pergament
London, The British Library, MS Additional 33241,
fol. 47v/48r
Emma gab diese Handschrift selbst in Auftrag. Der lateinische Text berichtet von der dänischen Eroberung Englands. Ein Fokus liegt auf Emmas Leben, ihrer zweiten Heirat mit dem Dänenkönig Knut und der Thronfolge ihres Sohns Harthaknut. Die Titelminiatur der Handschrift (im Vitrinenhintergrund) zeigt die selbstbewusste Königin mit ihren Söhnen Harthaknut und Eduard, die nacheinander englische Könige wurden. Aufgeschlagen ist die Textstelle, in der von ihrer Hochzeit mit Knut berichtet wird.
England, London/Westminster, ca. 1250–1260
Pergament
Cambridge, The Syndics of Cambridge University
Library, MS Ee.3.59
Diese reich illustrierte Handschrift erzählt vom Leben Eduards „des Bekenners”, der in England als Heiliger verehrt wurde. Die hier aufgeschlagene Miniatur zeigt eine Episode aus seiner Kindheit. Emma flieht vor der dänischen Invasion Englands unter Sven Gabelbart (links im Bild) mit ihren zwei kleinen Söhnen in die Normandie (rechts im Bild). Eduard und Alfred lebten lange Zeit am normannischen Herzogshof. Eduard wurde später König von England.
König Knut beschenkt Erzbischof Ælfstan
auf Wunsch von Königin Ælfgifu (Emma)
Christ Church, Canterbury, 1018
Pergament
London, The British Library, Stowe Ch 38
Mit dieser Urkunde schenkt König Knut dem Erzbischof von Canterbury ein Waldstück namens Hazlehurst. Aus dem Urkundentext geht hervor, dass die Schenkung auf Wunsch Emmas, seiner Frau, erfolgte. Sie wird hier mit ihrem angelsächsischen Namen „Ælfgifu” genannt. Neben anderen Personen tritt Emma als Zeugin auf, allerdings erst an dritter Stelle nach den Erzbischöfen. Wenige Jahre später bezeugte sie Urkunden dann direkt nach dem König.
East Anglia, England, ca. 1300–1340
Pergament
London, The British Library, Royal MS 14 B VI, fol. 5
Das Pergamentstück ist Teil eines ursprünglich fast 5 m langen Rotulus, der die Genealogie der englischen Könige vom 9. bis zum 14. Jh. zeigt. Interessanterweise umfasst diese Genealogie auch die Herzöge der Normandie von Rollo bis Wilhelm „den Eroberer“, die auf dem hier ausgestellten Teilstück zu sehen sind. Jede Person ist durch ein Medaillon mit einem Porträt und ihrem Namen präsent. Aufgenommen wurden allerdings nicht nur die Herrscher, sondern auch die Frauen der Familie. Genealogische Rollen waren ein sichtbares Zeichen der Legitimation.
Münzstätte Wilton, geprägt 997–1003 (1);
geprägt 979–1016 (2)
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18279815 (1); Stuttgart, Landesmuseum
Württemberg, Inv. MK 1951-259 (2)
Münzstätte Lincoln, geprägt 1017–1023 (3);
Münzstätte Colchester, geprägt 1016–1035 (4)
Silber
Berlin, Staatliche Museen
zu Berlin, Münzkabinett, Nr. 18261689 (3);
Stuttgart, Landesmuseum Württemberg,
Inv. MK 1951-266 (4)
Münzstätte Southwark, geprägt 1042–1044 (5);
Münzstätte Wilton, geprägt 1056–1059 (6)
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18202963 (5); Nr. 18279807 (6)
Münzstätte Lund, geprägt 1035–1042
Silber
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett,
Nr. 18237838
Das englische Münzsystem entwickelte sich aus dem karolingischen und kannte nur eine einzige Münzart: den silbernen Penny (Pfennig). Seit etwa 960 erscheint ein Herrscherbild auf den Münzen. König Æthelred, der erste Ehemann Emmas und König von England, zahlte mit diesen Münzen den „Danegeld“ genannten Tribut, um Wikingereinfälle abzuwehren. König Knut, der zweite Ehemann Emmas, orientierte sich für eigene Prägungen auch in seinem skandinavischen Reich an den englischen Münzen. Und auch Emmas und Knuts Sohn Harthaknut ließ sein Antlitz auf Münzen verewigen.