„Da zwang ihn [den Kaiser von Byzanz] die Not dazu, dass er eine Gesandtschaft zum Großfürsten der Rus’ schickte […] um von ihm Hilfe zu erbitten. Da gab er ihm darin seine Zustimmung, und sie schlossen miteinander einen Vertrag über eine Verschwägerung und es verheiratete sich der Großfürst der Rus‘ mit der Schwester des Kaisers nachdem er ihm die Bedingung auferlegt hatte, dass er sich und die übrige Bevölkerung taufen lasse.“
Bevor Wladimir „der Große“ die Herrschaft erlangte, musste er sich erst gegen seine Brüder durchsetzen. Zunächst war er sogar gezwungen zu fliehen und fand in Schweden Zuflucht. Dort rekrutierte er Söldner und kehrte nach Osteuropa zurück. Mit dieser Militärmacht gewann Wladimir die Kontrolle über das Land der Rus’. Nach der machtpolitischen Konsolidierung kam es 988 zur Christianisierung der Rus’, die allerdings nicht nur religiös motiviert war. Vielmehr
war die Annahme des Christentums byzantinischer Prägung Teil eines Abkommens mit Kaiser Basileos II. (gest. 1025). Wladimir unterstützte den Kaiser in schwierigen militärischen Situationen mit Truppen, vor allem mit skandinavischen Kriegern, den sogenannten Warägern. Im Gegenzug erhielt er die Hand einer byzantinischen Kaisertochter. Dies war zuvor noch keinem westlichen Herrscher gelungen. Für eine solche Ehe war die Christianisierung allerdings eine Voraussetzung.
Schleswig, 11. Jh.
Keramik
Schleswig, Museum für Archäologie Schloss
Gottorf, Inv. SH1972-37.26
Das zweifarbig glasierte hohle Ei repräsentiert die Ausbreitung des Christentums und die Verbindung christlicher Symbolik mit heidnischen Bräuchen. Solche aus westslawischen Stammesgebieten bekannten Eier wurden mit heidnischen Frühlingsfesten in Verbindung gebracht. Im orthodoxen Christentum spielten sie als Symbole von Auferstehung und ewigem Leben eine Rolle. Wahrscheinlich reisten Eier dieser Art im Gepäck von Missionaren. Sie wurden fast ausschließlich in Osteuropa und Skandinavien gefunden.
Sigtuna, ca. 1125–1175 (2); ca. 1100–1125 (3)
Kupfer (2); Silber (3)
Sigtuna, Sigtuna Museum & Art, Inv. 7399 (2);
Inv. 24626 (3)
Die Form der beiden gleicharmigen Kreuze verweist auf Byzanz. Es hat abgerundete Enden, eine Christusfigur im Zentrum und Heiligendarstellungen.
Zahlreiche Kreuze dieser Art wurden im Gebiet der Kiewer Rus’ gefunden. Die Kirche der Region orientierte sich sehr stark an der orthodoxen Kunst und Praxis. Nach Sigtuna gelangten die Kreuze möglicherweise im Gepäck von Missionaren, Reisenden oder Händlern.
Nur eine Generation nach der Christianisierung der Rus’ gab es mit Boris und Gleb, Söhnen Wladimirs „des Großen“, die ersten Heiligen der Kiewer Rus’. Sie sind auf zahlreichen Ikonen und Darstellungen zu finden und gehören bis heute zu den prominentesten Heiligen Osteuropas. Die gezeigten Miniaturen stammen aus dem Sylvester-Codex, der heute im Russischen Staatsarchiv für Alte Dokumente aufbewahrt wird (fonds 381, n° 53).