Hier [in der Normandie] gibt es (...) reichlich fischreiche Flüsse, wildreiche Wälder, sie ist zur Falkenjagd bestens geeignet, fruchtbar an Weizen und anderen Früchten, üppig an Wiesen, um die Haustiere zu ernähren. (...)“
Trotz vieler dramatischer Ereignisse und dynastischer Konflikte war das Leben im normannischen Herrschaftsgebiet nicht nur von hoher Politik und adligen Ambitionen geprägt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte in einer durch Landwirtschaft und Handwerk geprägten Welt. Die Normandie und England waren fruchtbare Länder und agrarisch organisiert. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert prosperierten beide Regionen. Neben der Feldarbeit, dem Handwerk und Militärdienst waren auch Spiel und Zeitvertreib Bestandteile der normannischen Lebenswelt.
Plessis-Grimoult, Anfang 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.2.9
Die Zange war ein wichtiges Werkzeug des Schmieds, der mit ihrer Hilfe Arbeitsgeräte, Gebrauchsgegenstände oder Trachtbestandteile herstellen konnte. Mit der Zange konnten Objekte zur weiteren Bearbeitung fixiert und sicher gegriffen werden.
Grimbosq, 1. H. 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.153
Die Sichel wurde vermutlich nicht zur Feldarbeit, sondern eher zum Unkraut jäten in kleineren Gärten eingesetzt. Darauf deutet das Fehlen einer gezähnten Schneide hin.
Plessis-Grimoult, 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.2.10
Ahlen spielten vor allem bei der Lederverarbeitung eine wichtige Rolle. Mit ihnen konnte das Material leicht durchstochen werden. Sie waren für die Herstellung von Kleidung oder auch sonstigem Zubehör wie Pferdegeschirr geeignet.
Grimbosq, 11. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.140
Die Pinzette gehört zu den Objekten, die sich in ihrer Funktion und ihrem Aufbau seit der Antike nicht verändert haben. Diese Pinzette diente der Körperpflege und bezeugt die Bedeutung, die diese für die Menschen schon seit frühester Zeit hatte.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.12
Der Fingerhut hatte im 12. Jh. bereits die gleiche Funktion, die er noch heute hat. Aufgesetzt auf den Finger schützt er beim Nähen vor schmerzhaften Nadelstichen.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.2
Der Schutz des eigenen Besitzes war schon immer wichtig. Dieser Drehschlüssel verschloss vermutlich einst eine Truhe, in der wichtige Besitztümer verstaut wurden. Die Funktion des Schlüssels und in diesem Fall auch die Form haben sich im Laufe der Zeit kaum verändert.
Plessis-Grimoult, Ende 10. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.2.11
Die Länge des Schafts lässt vermuten, dass es sich bei dieser Niete um ein Befestigungsteil auf einem dicken Gurt oder alternativ um ein Verstärkungselement auf einem Holzstück handelte.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Keramik
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.149
Diese Lampe war einst mit Tierfett gefüllt, in der ein Docht steckte. Darauf weisen die Rußspuren hin. Die Spitze auf der Unterseite der Lampe diente dazu, sie sicher in einem lockeren Untergrund wie Sand platzieren zu können. Dort diente sie als Lichtquelle.
Grimbosq, 11. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.148
Die Enden des Rings sind mit Tierköpfen, vielleicht Schlangen, verziert. Der Durchmesser des Rings lässt vermuten, dass er einst von einem Mann getragen wurde.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Gold
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.30
Die goldene Ringschnalle war im Besitz einer Person mit gehobenem Lebensstandard. Sie könnte entweder zu einem Kleidungsstück gehört oder als Verschluss eines Gürtels oder Schuhs gedient haben.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.27
Der Anhänger mit Kreuzverzierung zierte vermutlich einst eine Kette. Wahrscheinlich diente er als Medaillon.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.96
Die fein gearbeitete Nadel mit konischem Kopf könnte als Trachtbestandteil zum Verschluss oder als Schmuckelement für das Haar gedient haben. Aber auch eine Verwendung in der Handarbeit kann nicht ausgeschlossen werden.
Grimbosq, 11. Jh.
Bronze
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.143
Die Fibel, die einst das Gewand einer reichen Persönlichkeit verschloss, steht in karolingischer Handwerkstradition. Die leeren Zellen auf der Oberseite der Fibel waren ursprünglich mit Granat- oder Schmelzeinlagen gefüllt.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Eisen, Messing
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.43
Dieser Sporn wurde mit vergoldeten Kupferringen verziert. Dies macht es zu einem Luxusobjekt. Der lange, gerade Stachelhals diente zum Zügeln des Pferdes indem Druck auf die Spitze ausgeübt wurde.
Grimbosq, 1. H. 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.10
Das Hufeisen hat bis heute seine Funktion nicht verloren. Unter den Hufen eines Pferds angebracht, diente es dem Schutz.
Grimbosq, 1. H. 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.41
Die Schnalle diente als Verschluss und war am Zaumzeug von Pferden angebracht.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.56
In die Ringtrense waren Lederriemen oder sonstige Gurte eingeschnallt, die zum Zaumzeug gehörten. Mit ihm konnte das Pferd kontrolliert und geführt werden.
Rubercy, Ende 12./Anfang 13. Jh.
Kupferlegierung, Gold
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.50
Der Anhänger mit durchbrochener Kreuzverzierung diente als Schmuckelement und war an einer Trense, einem Sattelriemen oder einem Zügel befestigt. Das Motiv war weit verbreitet und ist auch auf der Rückseite von Herzogsmünzen zu finden.
Grimbosq, 1. H. 11. Jh.
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.151
Messer waren Multifunktionswerkzeuge und wurden zu verschiedenen Zwecken eingesetzt. Die Form dieses Messers deutet darauf hin, dass es als Jagdmesser und nicht für den häuslichen Gebrauch genutzt wurde.
Rubercy, 2. H. 12. Jh. (7–8); Grimbosq, 11. Jh. (9)
Eisen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.39 (7);
Inv. D.87.1.35 (8); Inv. D.87.11.3 (9)
Pfeilspitzen und Armbrustbolzen wurden nicht nur bei Schlachten verwendet, sondern auch im Alltag einer Burg: zur Bewachung, auf der Jagd, beim Zielschießen oder bei Spielen. Wurde die Burg aufgegeben, blieben häufig Pfeilspitzen und Armbrustbolzen zurück. Schwere Waffen wie Lanzen oder Schwerter hingegen galten als materiell und symbolisch wertvoller und wurden daher sorgfältiger aufbewahrt und mitgenommen.
Rubercy, 2. H. 12. Jh. (1–2); Caen, 11./12. Jh. (3)
Keramik (1); Stein (2); Keramik (3)
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.57 (1);
Inv. D.87.1.10 (2); Inv. D.85.3.14 (3)
Diese Gefäße gehörten zu den wichtigen Alltagsgegenständen und wurden zum Kochen verwendet. Während die beiden Töpfe (1, 3) als Kochtöpfe dienten, wurde der kleine Steinnapf (2) vermutlich als Mörser zum Verkleinern und Zerstampfen von Gewürzen und Kräutern genutzt.
Grimbosq, 11. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.85.6.55
Diese Spielfigur gehörte möglicherweise ursprünglich zu einem Schachspiel. Schach war ein weit verbreitetes Strategiespiel, das vor allem von Menschen aus der Oberschicht gespielt wurde. Schachspiele gab es in kostbaren und einfachen Ausführungen.
Rubercy, 2. H. 12. Jh. (5); Grimbosq/Rubercy,
11./2. H. 12. Jh. (6)
Knochen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.17 (5);
Inv. D.87.1.18-24 / D.85.6.137 (6)
Für das Trictrac-Spiel, eine französische Variante von Backgammon, wurden diese runden Spielsteine genutzt. Häufig mit konzentrischen Kreisen und Punkten verziert (5) besitzt einer der Spielsteine eine Verzierung mit einer Tiergestalt (6), die möglicherweise als Hirsch zu interpretieren ist. Hier ist eventuell eine Verbindung zur Jagd zu sehen, die dem Adel vorbehalten war.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Knochen
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.25
Würfelspiele sind ein Zeitvertreib, der zu allen Zeiten und überall weit verbreitet war. Gleichzeitig beweist der Würfel, dass die Menschen fähig waren, zu zählen. Sie mussten ihre Gewinnpunkte zusammenzählen und Strategien entwickeln.
Rubercy, 2. H. 12. Jh.
Kupferlegierung
Caen, Musée de Normandie, Inv. D.87.1.33
Die genaue Verwendung dieses Glöckchens ist nicht zweifelsfrei zu klären. Es könnte sich um ein Spielzeug für Kinder gehandelt haben. Aufgrund der Größe der Glocke könnte sie aber auch am Halsband eines Tieres befestigt gewesen sein.