Die Königskrönung Wilhelms war nur der erste Schritt zur Herrschaftsübernahme der Normannen in England. Diese zog sich weitere 20 Jahre hin. Denn es gab Widerstand und die angelsächsische Elite unterwarf sich nicht kampflos. Mit großer Brutalität ging Wilhelm gegen Rebellionen vor, worunter die Zivilbevölkerung zu leiden hatte. Er baute Burgen, um das Land zu kontrollieren, tauschte die Eliten aus und stiftete Ehen zwischen der normannischen und angelsächsischen Bevölkerung. Gegen Ende seiner Herrschaft entstand das sog. „Domesday Book“, eine Aufstellung über die Besitzverhältnisse und Wirtschaftskraft des Königreichs. Die Einträge zeigen, wie stark sich England verändert hatte, auch wenn die Normannen vieles übernahmen und beibehielten.
Winchester, 13. April 1069
Avers: + HOC . NORMANNORVM WILLELMVM
NOSCE . PATRONVM SI[GNO]
Revers: + HOC . ANGLIS . REGEM . SIGNO .
FATEARIS EVNDEM
Wachs
Pierrefitte-sur-Seine, Archives Nationales,
Inv. X 679
Nach seiner Krönung am Weihnachtstag 1066 herrschte Wilhelm in Doppelfunktion als englischer König und Herzog der Normandie. Dies spiegelt sich in seinem Siegel wieder, dass beiden Funktionen jeweils eine Seite des Siegels widmet. Das Königtum wird durch den thronenden gekrönten Herrscher mit Schwert und Zepter repräsentiert, das Herzogtum durch eine Reiterfigur, die Wilhelm mit Lanze und Schild zeigt. Die Umschrift des Siegels, die sich auf beiden Seiten fortsetzt, lautet: „Erkenne durch dieses Zeichen Wilhelm, Schutzherrn der Normannen / durch dieses Zeichen erkenne denselben als König der Engländer.“
Avers: + ILLEMV REX V
Revers: + PIILFILLERON
London, 1066–1068
Silber
Rouen, Musée des Antiquités, Inv. 464.6 (A)
Avers: + PILLEL(M R in Ligatur)EX I
Revers: + IN[..]PINE ON PIILI
vermutlich Wilton, 1083–1086
Silber
Rouen, Musée des Antiquités, 218.3.1 (A)
Mit der Herrschaft über England veränderte sich die Selbstdarstellung Wilhelms. Dabei orientierte sich „der Eroberer“ in England allerdings stark an den königlichen Vorgängern und übernahm beispielsweise deren Münzprägung. Während seiner gut zwanzigjährigen Regierung prägte Wilhelm eine Reihe von Münzen, die mit seinem Abbild versehen waren. Gezeigt sind hier zwei Exemplare aus unterschiedlichen Phasen der Herrschaft. Die erste (2) zeigt Wilhelm im Profil und wurde in den ersten Jahren als König geprägt, die zweite (3) zeigt ihn frontal und stammt aus den letzten Jahren.
Sizilien (?)/Iberische Halbinsel (?), 11.–12. Jh./14. Jh.
Elfenbein mit Silberbeschlägen
Bayeux, Le Trésor de la Cathédrale, ohne Inv.
Das gezeigte Elfenbeinkästchen stammt aus dem Kathedralschatz von Bayeux. Dort wurde es als Behältnis für eine bedeutende Reliquie des Hl. Regnobert verwendet und im Inventar von 1476 erwähnt. Um die Herkunft des kostbaren Kästchens, das eine arabische Inschrift rägt, ranken sich verschiedene Legenden. Eine bedeutende Tradition bringt es mit Odo von Bayeux, Bruder und Vertrauter Wilhelms „des Eroberers“ in Verbindung. Dieser starb auf dem Weg ins Heilige Land in Palermo und wurde dort bestattet. Eine Herkunft aus Sizilien ist nicht unwahrscheinlich, doch verweisen neuste stilistische Untersuchungen eher auf die Iberische Halbinsel.
Bishophill, 1000–1066
Keramik, Silber
York, York Museums Trust (Yorkshire Museum),
Inv. YORYM : 1947.724 (Gefäß),
Inv. YORYM : 2000.717-19, 2000.721-29,
2000.731-35, 2000.737-62, 2000.1337-42,
2000.1344 (Münzen)
Bei dem Hort handelt es sich um einen Schatzfund mit ursprünglich über 600 Münzen, die in einem Keramikgefäß vergraben wurden. Er geht auf die Zeit nach der normannischen Eroberung zurück, die von Aufständen der angelsächsischen Bevölkerung und Eliten vor allem im Norden des Reiches geprägt waren. Wilhelm reagierte mit großer Brutalität und es kam zum „Harrying of the North“, der Verwüstung des Nordens. Wie eine Reihe anderer Hortfunde in der Region konnte der Schatz offenbar nicht mehr geborgen werden. Vielleicht waren seine Besitzer unter den zahlreichen Opfern der normannischen Verwüstung.
Produktion: eichfelder artworks
Zur Kontrolle seiner Herrschaft überzog Wilhelm „der Eroberer“ England mit einem dichten Netz an Festungen. Noch heute gibt es zahlreiche Spuren dieser Herrschaftskonsolidierung. Lernen Sie mehr über den Festungsbau vom Typ der Motten, der von den Normannen in England etabliert wurde und erkunden Sie einige ausgewählte Beispiele näher.
Wahrscheinlich Trondheim, Norwegen,
Ende 12./Anfang 13. Jh.
Pottwalzahn
Edinburgh, National Museums Scotland,
Inv. H.NS 28
On loan courtesy of National Museums Scotland
Die Lewis Schachfiguren sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich und belegen die vielfältige Vernetzung des Mittelalters. 1831 wurden insgesamt 78 Schachfiguren auf der schottischen Isle of Lewis gefunden. Diese gehörte im 12. Jh. zum Königreich Norwegen und befand sich in einer kulturellen Kontaktzone. Die Figuren repräsentieren bedeutende Vertreter der mittelalterlichen Welt: Könige, Königinnen, Bischöfe und Krieger von unterschiedlicher
Form. Zahlreiche Details sind mit Verzierungen im skandinavischen Stil versehen. Die hier gezeigte Figur ist die eines Wärters und entspricht dem Turm
eines modernen Schachsets. Der stehende Krieger ist bärtig, trägt ein langes, gerade nach unten fallendes Panzerhemd und einen Helm. Er hält ein Schwert in der rechten und einen großen, tropfenförmigen Schild in der linken Hand. Nach der normannischen Eroberung Englands war das Verhältnis zu Schottland von Konflikt und Annäherung gleichermaßen geprägt. Der Sohn Wilhelms „des Eroberers“, Heinrich I., heiratete schließlich die schottische Prinzessin Mathilde (oder Edith) und verband beide Reiche familiär.
England, 1086
Pergament
Exeter, Cathedral Library, MS 3500, fol. 29r (1);
fol. 95r (2); fol. 175r (3)
Das sog. Exon Domesday ist das einzige überlieferte Zeugnis der großen Untersuchung im Königreich England. Wilhelm „der Eroberer“ gab diese 1086 in Auftrag. Über mehrere Monate bereisten Abgesandte des Königs das Reich und sammelten auf Basis eines Fragenkatalogs Daten. Das Exon Domesday beinhaltet das Ergebnis dieser Erhebung für Südwestengland. Hier gezeigt werden drei Teile des heute aufgebundenen Manuskripts. Auf fol. 29r (1) sind die Lehen von Königin Mathilde in Dorset erfasst, auf fol. 95r (2) Ländereien des Königs in Devon und auf fol. 175r (3) ein Lehen des Bischofs von Winchester Walkelins in Somerset.
Die Einträge des königlichen Landes in Devon geben auch über Veränderungen seit 1066 und unrechtmäßige Erweiterungen Auskunft. So ist erfasst, dass dem königlichen Gut Molland seit 1066 zwei weitere Stücke Land hinzugefügt worden waren. Allerdings sei dies im Fall eines heute nicht mehr zu identifizierenden Ortes, Nimeta, unrechtmäßig (injuste) geschehen. Die Seite schließt mit dem Hinweis, dass der König bestimmte Abgaben für Molland nicht erhalten habe „seit er selbst England hat“ (postquam ipse habuit Angliam).
Faksimile
Original: England, 1086/87
Pergament
Mannheim, Privat (Original: Kew, National
Archives, E 31/1/1–2, fol. 280v / 281r)
Binnen nur eines Jahres wurde das Great Domesday Book geschrieben, seine Erstellung war eine administrative Meisterleistung. Es wurden große Datenmengen erfasst, ausgewertet, strukturiert und schließlich niedergeschrieben. Das Domesday Book, das diesen Namen erst später erhielt, verrät viel über die gesellschaftlichen Veränderungen in England zwischen 1066 und 1086, aber auch über den Wert und die Bewirtschaftung des Landes. Die aufgeschlagene Seite zeigt den Beginn der Eintragungen zu den Besitzungen in der Grafschaft Nottinghamshire (Snotinghamscire) im Norden Englands.
Der Eintrag für Hedingham [Castle] im Gebiet von Hinckford und der Grafschaft Essex
Der Fragenkatalog des Domesday Surveys
Die Untersuchung, deren Ergebnis das Domesday Book war beruhte auf einem festen Katalog von Fragen, der überliefert ist: