Die normannische Eroberung Englands war ein einschneidendes Ereignis, dem allerdings eine längere Vorgeschichte vorausging. Sie war mit den angelsächsisch-normannischen Verbindungen und mit der Persönlichkeit des Normannenherzogs verknüpft. Herzog Wilhelm verband Herrschaftswillen mit militärischem Geschick. Als König Edward 1066 kinderlos starb, meldete er Ansprüche auf die Krone Englands an. Wilhelm berief sich auf Versprechen des verstorbenen Königs und seines Konkurrenten Harold Godwinsons. Doch auch der König von Norwegen Harald Hardråde strebte nach der englischen Krone. Im Herbst 1066 kämpfte Harold Godwinson zunächst erfolgreich gegen den Norweger, verlor dann aber bei Hastings gegen Wilhelm und starb in der Schlacht. Wilhelm wurde am Weihnachtstag in London gekrönt.
Bei diesem auf den ersten Blick unscheinbaren Dokument handelt es sich um einen großen Schatz. Es ist eine Kopie der Liste der Schiffe, die Wilhelm 1066
nach England begleiteten. In der Liste sind vierzehn normannische Adelige verzeichnet, die durchschnittlich zwischen 40 und 60 Schiffe beisteuerten. Die Gesamtzahl der Schiffe wird mit 776 angegeben. Das Dokument endet mit der Information, dass Wilhelms Frau, die Herzogin Mathilde, „zu Ehren ihres Gemahls ein Schiff namens ›Mora‹ gerüstet“, also finanziert und ausgestattet hatte.
In der Schiffliste wird die Mora genauer beschrieben und es heißt, dass „sie auf dem Bug die Statue eines goldenen Knaben aufwies, der mit seiner rechten Hand nach England zeigte und mit seiner linken Hand ein Horn aus Elfenbein an den Mund hielt.“ Diese Beschreibung passt zu einer Darstellung des Teppichs von Bayeux. Diese finden Sie in der Gucklochstation.
England, um 1280–1300,
Pergament
London, The British Library, Cotton MS Vitellius
A XIII/1, fol. 3v
Die Miniatur zeigt die Schlacht bei Hastings 1066 und ist eine von wenigen erhaltenen Seiten einer Handschrift, die die englische Herrschaftsgeschichte von Eduard „dem Bekenner” bis ins 13. Jh. erzählt. Die Schlacht bei Hastings ist dabei ein Schlüsselereignis, das besonders farbenfroh dargestellt wird. Rechts im Bild ist Wilhelm abgebildet, mit einem roten Schild mit drei Löwen, der seinem Gegner Harold Godwinson (links) seine Lanze durch die Brust sticht.
England, Peterborough, ca. 1121–1140
Pergament
Oxford, The Bodleian Libraries, University of Oxford,
MS Laud Misc. 636, fol. 65r
Die sog. Anglo-Saxon Chronicle ist eine Sammlung von Annalen (Jahrbüchern) in altenglischer Sprache, die heute in verschiedenen Fassungen vorliegt. Die ausgestellte Peterborough-Chronik ist die umfangreichste Fassung und bietet unschätzbare Einblicke in die normannische Eroberung und Herrschaft aus Sicht der Eroberten. Aufgeschlagen ist die Passage, in der der Autor beim Tod König Wilhelms eine Würdigung seiner Person im Guten wie im Schlechten vornimmt. Auch wenn er versucht neutral zu bleiben, überwiegt doch eine negative Bewertung. Der Autor der in Peterborough entstandenen Chronik sympathisiert mit der eroberten Bevölkerung und benennt, welches Leid ihnen widerfahren sei.
Produktion: eichfelder artworks
Länge: 03:43 min
Jede Geschichte hat zwei Seiten und das gilt auch für die normannische Eroberung. Darüber, wie die angelsächsische Bevölkerung über die Eroberung dachte, können wir nur Mutmaßungen anstellen. Sie werden aber sicher nicht sonderlich erfreut gewesen sein. Lauschen sie einer fiktiven Unterhaltung zwischen einer Angelsächsin und einer Normannin, die ihre Sichtweisen auf die Geschehnisse kundtun.
Produktion: Sabine Weber-Janz
Leinen, Wolle
Die mit dünner Wolle und Leinen handgestickte Kopie einer Szene des Teppichs von Bayeux wurde innerhalb von 10 Jahren von Frau Sabine Weber-Janz
in ihrer Freizeit angefertigt. Mit ihrer Leihgabe ermöglicht sie den Besucherinnen und Besuchern, einen Eindruck von der ursprünglichen Farbenpracht und Beschaffenheit der berühmten Tapisserie zu bekommen.
Bayeux, 13. Jh.
Holz
Bayeux, Le Trésor de la Cathédrale, ohne Inv.
Auch wenn diese Holzkiste auf den ersten Blick unscheinbar erscheint, ist sie doch eigentlich eine Schatztruhe. Es handelt sich nämlich um die Aufbewahrungstruhe des Teppichs von Bayeux. Dieser wurde jedes Jahr nur zu bestimmten Zeiten öffentlich ausgestellt und in der Zwischenzeit
sicher in zusammengerolltem Zustand aufbewahrt. Erstmals im Inventar der Kathedrale von Bayeux erwähnt wird der Teppich 1476.
Erleben Sie die Bildgewalt des gesamten Teppichs von Bayeux. Folgen Sie der Vorgeschichte der normannischen Eroberung und den Ereignissen des Jahres 1066 bis zur Schlacht bei Hastings, die auf einer Gesamtlänge von heute knapp 70 m nacherzählt wird.
Gefunden in der Maas, 11./12. Jh.
Eisen
Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum,
Inv. O.39806
Nasalhelme dieses Typs werden auch als „Normannenhelme” bezeichnet. Der Nasalhelm hat seinen Namen aufgrund eines Nasenstücks (Nasal), das zum Schutz der Nase und des Gesichts im Kampf diente. Die Helmglocke lief spitz zu, wodurch sich der Schutzeffekt erhöhte.
Durch den Teppich von Bayeux und andere Darstellungen von Normannen ist dieser Helmtypus bis heute sehr bekannt. Das gezeigte Exemplar wurde in der Maas gefunden und gehört zu den wenigen intakt überlieferten Normannenhelmen.
Colchester, 10.–11. Jh.
Eisen
On loan from Colchester and Ipswich Museum Service,
Inv. COLEM:1916.3507
Die Axt, die als typische Wikingerwaffe bekannt ist, wurde auch bei der Schlacht bei Hastings eingesetzt. Sie diente sowohl den angreifenden Normannen als auch den Angelsachsen als Waffe. Die breite Schneide hat eine lange Tradition und ist auch schon aus früheren Siedlungen der Wikinger bzw. Dänen in England bekannt. Die hier gezeigte Axt erinnert in ihrer Form an Darstellungen dieses Waffentyps auf dem Teppich von Bayeux.
York, 866–1066
Eisen
York, York Museums Trust (Yorkshire Museum),
Inv. YORYM: 1977.49
Neben Äxten sind auch Schwerter zahlreich auf dem Teppich von Bayeux dargestellt. Sie waren wichtige Waffen im Kampf und gehörten zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen von Rittern. Das hier gezeigte Schwert stammt aus York.
Der Teppich von Bayeux erzählt die Geschichte der Eroberung Englands durch Wilhelm „den Eroberer“. Neben der Hauptgeschichte hat der Teppich allerdings auch viele Details zu bieten, die leicht übersehen werden. Entdecken Sie, welche Geheimnisse der Teppich noch birgt und schauen Sie genau hin!
Wie fühlte es sich an, als Normanne an der Seite des normannischen Herzogs England zu erobern? Finden Sie es heraus, indem Sie sich selbst als Normanne kleiden. Selfies sind hier ausdrücklich erlaubt! Laden Sie ihr Bild mit #normannheim auf Social Media hoch und taggen Sie in Ihren Beiträgen und Storys @rem_mannheim
Produktion: Faber Courtial
Länge: 05:00 min