Krieger für Byzanz – von Warägern und der Warägergarde

„Da traten sie an den Großfürsten der Rus’ heran und baten ihn um Hilfe. […] Da half er ihnen mit einer gewaltigen Menge von seinen Männern, und zwar waren es Leute von Stärke und Leute von gewaltigem Mut.“

Abū Šuǧā (gest. 1025), Wesir des Kalifen in Bagdad in seiner Chronik

„Waräger“ war ein Sammelbegriff für Skandinavier in Osteuropa. Die Haupthandelsroute von Skandinavien hieß auch „Weg von den Warägern zu den Griechen“. Als Waräger wurden aber auch die Söldner im Dienst der Fürsten der Rus’ bezeichnet. Diese reisten über Osteuropa nach Byzanz und kämpften für die byzantinischen Kaiser. Wladimir „der Große“ soll Basilios II. (gest. 1025) 988 eine große Anzahl Krieger geschickt haben. Dass dies die Geburtsstunde der berühmten „Warägergarde“ von Byzanz war, gilt heute als überholt. Dennoch waren Söldner aus dem Norden und Osten Europas wichtig für das byzantinische Militär. Erst Ende des 11. Jahrhunderts wird eine skandinavische Identität der Waräger in Byzanz fassbar. Interessanterweise verstärkten in dieser Zeit auch Angelsachsen, die nach der normannischen Eroberung Englands geflohen waren, die kaiserliche Garde. Im Mittelmeerraum trafen sie dadurch erneut auf Normannen.

B 5.1.1

(1) Reliefplatte mit Darstellung eines Warägers

Konstantinopel, 11.–12. Jh.
Elfenbein
Köln, Museum Schnütgen, Inv. B6

Die kleine Reliefplatte war ursprünglich an einem Rosettenkästchen befestigt. Verzierte Kästchen waren bei der Oberschicht in Konstantinopel beliebt. Sie wurden benutzt, um persönlichen Besitz zu verstauen. Krieger sind häufige Bildmotive und oft werden sie der antiken Tradition folgend nackt dargestellt. Dieser Krieger wird aufgrund seiner dänischen Axt als „Waräger“ gedeutet.

B 5.1.2

(2) Elfenbeinkamm

Sigtuna, 11. Jh.
Elefantenelfenbein
Sigtuna, Sigtuna Museum & Art, Inv. 14258

Der in Schweden gefundene Elfenbeinkamm stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum. Auf der Vorderseite ist er mit einem Löwen verziert, auf der Rückseite mit zwei Vögeln. Zusätzlich wurde von einem späteren Besitzer auch eine Runeninschrift eingeritzt, die als „KUNT“ gelesen wird. Die Bedeutung ist rätselhaft. Der Kamm gelangte vermutlich über Osteuropa nach Skandinavien, vielleicht als persönlicher Besitz eines Warägers.

Das Leben Haralds Hardrådes

Produktion: eichfelder artworks

Harald Hardråde wird auch der „letzte Wikinger“ genannt. Anhand seiner Lebensgeschichte lässt sich nachvollziehen, wie mobil Menschen des 11. Jh. sein konnten. Lesen Sie den Comic und erfahren Sie mehr zu seinem abenteuerlichen Leben.

„Stellenausschreibung“ für ein neues Mitglied der Warägergarde

Diese didaktische Station basiert auf einer Idee des Studenten Patrick Nopper und wurde in Zusammenarbeit mit Simon Osenbrück umgesetzt.